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Übersicht

 

2022


DURCHREISEUte Hartwig-Schulz

Ute Hartwig-Schulz

Plastiken | Reliefs | Skulpturen

21.05. – 02.07.2022

 

Einladung als PDF Vorderseite Einladung als PDF Rückseite

Laudatio als PDF

Information

Vernissage am Freitag, den 20.05.2022, 19.30 Uhr

Einführung: Teresa Ende [promovierte Kunsthistorikerin]

Finissage und Künstlerinnengespräch: Samstag, den 02.07.2022, 15.00 Uhr

 

Ute Hartwig-Schulz

*1963 in Berlin

studierte von 1986 bis 1991 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden Bildhauerei und Plastik und schloß 1995/96 noch ein Meisterschülerstudium an. Ihre künstlersichen Aktivitäten spiegeln sich in der Initiierung wie auch Teilnahmen von/an zahlreichen regionalen, überregionalen wie interantionalen Ausstellungen und Projekten.

Das kleine Dorf Prößitz ist seit vielen Jahren ihr Arbeits- und Lebenszentrum, bekannt auch als Künstlergut Prößitz in freier Trägerschaft mit einem weit über die Grenzen reichenden herausragenden Ruf für spannende Symposien und künstlerische Projekte, dass die Künstlerin als kreativer Kopf dieses Ortes mit sehr viel Engagement seit vielen Jahren betreibt, um „Möglichkeitsräume für viele Kunst- und Denkprozesse unserer Gesellschaft zu schaffen.“ Christine Dorothea Hölzig

D U R C H R E I S E – mit diesem Ausstellungstitel verweist Künstlerin auf  ihre eigene Lebensreise.

Christine Dorothea Hölzig reflektiert es so:

„Der Lebenskreislauf in all seinen Stationen. Die Künstlerin Ute Hartwig-Schulz schafft bildhauerische und installative Kompositionen, die Vorstellungen von den Kräften und Verlusten der Gegenwart evozieren.“

„In den Skulpturen, Plastiken und Installationen findet sie sinnbildhafte Motive für ihre Fragen nach einer Standortbestimmung. Diese münden in der Suche nach dem heutigen Platz der Weiblichkeit, ihrer Autonomie und darin eingebettet der Mutterschaft; ihrer Kräfte und Wirkungen in der Gesellschaft stets als Vergegenwärtigung und auch Konkretisierung des eigenen Selbstverständnisses.“

Die Künstlerin Ute Hartwig Schulz selbst beschreibt ihre künstlerische Position wie folgt:

„Seit Urzeiten benutzen die Menschen Materialien der Erde, wie Steine, Tone und Metalle, um sich auszudrücken und sichtbare Spuren zu hinterlassen. Diese Materie hat ihre ihre Gesetze. Alles Materielle bleibt durch eine gewisse Festigkeit und Stabilität auf der Erde bestehen.

Der Mensch hat es gelernt, sich im Gleichklang mit dieser Materie zu verhalten. Wenn es um figürliche Plastik geht, spiegeln sich auch darin die Gesetze der Natur wider. Die bildliche Darstellung des Menschen muss genauso stabil, fest und sicher stehen können. Oder liegen, oder sitzen.

Tut sie es – gewollt -nicht, dann drückt sich darin etwas Unheilvolles, Schwankendes oder Gefährdetes aus.

Figürliche Themen wie „Stehen, Sitzen und Liegen“ kann man analog als Statik des Menschen begreifen. Als Architektur des Menschen.

Dies ist die Grundlage oder das Handwerkzeug für figürliches Gestalten und meint übertragen ein Fundament für Mensch (lichkeit).

In der Menschheitsgeschichte hatten auch die Bildhauer eine herausragende und wichtige Bedeutung für den Transport von Wissens- und Kulturvermittlung.

Bilder sind wichtig für den Menschen und seine Auseinandersetzung mit der Zeit. Gestern, Heute und Morgen.“


OFFENE ECKEN

Anna Myga Kasten | Keren Shalev

Objekt und Zeichnung

26.03. – 07.05.2022

Einladung als PDF

Kooperationsprojekt mit SALOON

Abbildungen

Matinée: Sonntag, den 10.04.2022, 11.00 – 16.00 Uhr

Vernissage: Freitag, den 25.03.2022, 19.00 Uhr

Einführung: Maren Marlzinger [Kunsthistorikerin]

Künstlerinnengespräch: Samstag, den 07.05.2022, 15.00 Uhr

Anna Myga Kasten | ohne Titel | 2015 | Papier, Kleister, Pigment | 130 x 120 x 90 cmAnna Myga Kasten |Ohne Titel | 2019 | Graphit auf Papier | 60 x 80 cm Keren Shalev | Suspended Decomposition | 2019 | Metall | 45 x 45 x 35 cmKeren Shalev |from the series Phenomena | 2016 | graphite on paper | 42 x 30 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anna Myga Kasten | Portrait Keren Shalev | Portrait

 

 

 

 

Statement

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt der Dresdner Sezession 89 e.V. mit SALOON. Maren Marzilger – Kunsthistorikerin, Kuratorin und Galeristin sowie engagiert im Vorstand des SALOON Network Dresden – realisiert in und mit der ‚galerie drei‘ der Dresdner Sezession 89 e.V. eine von ihr kuratierte Ausstellung zweier Künstlerinnen – Anna Myga Kasten und Keren Shalev, die sich erstmalig mit ihrem Werk in einer gemeinsamen Präsentation hier in Dresden begegnen und konfrontieren. Beide arbeiten in den gleichen künstlerischen Medien Zeichnung und plastisches Objekt. Beide bewegen sich in der ‚Sprache‘ des abstrakten Formalismus und zugleich bildnerischer Poesie. Die Herangehensweisen und Prozesse hingegen unterscheiden sich und werden in den folgenden Statements von den Künstlerinnen selbst beschrieben:

 

Keren Shalev [Statement 2021] 

*1982 in Israel / u.a. Studium der Bildhauerei am Hagalil Hama’aravi College, Akko, Israel, in B. A. Fine Arts, Universität Haifa, Israel, in B.A. Museumskunde, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

„Der Ausgangspunkt meiner Arbeit ist die Achtsamkeit auf die formalen Qualitäten der Komponenten, mit denen ich arbeite: die Materialien, der Raum, ihr Gewicht, ihr Maßstab, ihr Widerstand, ihre Dynamik, ihre Wechselwirkungen und so weiter. Ich untersuche diese Qualitäten aus meiner persönlichen Perspektive und meiner Erfahrung mit ihnen und sie rufen mentale Bilder in mir hervor. Diese Beziehung zwischen Formalismus und der poetischen Ebene pflege ich weiter, bis sich eine feste und klare Vision konsolidiert hat. _ Die mentalen Landschaften und Materialien, zu denen ich mich meist hingezogen fühle, sind industriell, haben aber eine organische Dynamik, sind sentimental, entlegen und taktil. _ Die Logik in meinen Arbeiten korrespondiert oft mit der Logik in der Welt der Wissenschaft und der Literatur.“

 

Anna Myga Kasten [Statement 2021]

*1977 in Rahden (Westfalen) / Studium der Freien Kunst an der HBK Braunschweig mit Schwerpunkt Bildhauerei und Rauminstallation, unter anderem bei Hartmut Neumann, Johannes Brus, Christoph Schlingensief und Raimund Kummer / Meisterschülerin von Johannes Brus

Neben kleineren, meist in Serie entwickelten Objekten und Zeichnungen entstehen vor allem großformatige Installationen. Materialien wie Gummi, Planen, Folien und Textilien werden in meiner Arbeit zu formgebenden Hüllen, die sich – gefüllt mit Luft, Wasser, Sägespänen oder Schaumstoff – zu raumgreifenden Objekten entwickeln. Für ihre Herstellung benötige ich große Räume, die mir oft nicht zur Verfügung stehen. Das Arbeiten auf beengtem Raum führt zu einer besonderen Nähe. Die Verarbeitung von sperrigem, zum Teil schwerem Material bringt mich an physische Grenzen. Diese bewusst gewählten Behinderungen, ob durch Material, Format, Gewicht oder spezielle Arbeitsbedingungen, entwickeln oft eine Eigendynamik, die maßgeblich an der Formfindung beteiligt ist. _ Ich arbeite ohne konkrete Ahnung vom Ergebnis. Erst während des künstlerischen Prozesses entstehen Vorstellungen von Formen, denen ich solange nachgehe, bis sie von neuen überlagert werden. Entscheidend ist dabei für mich, was in deren Schnittmenge passiert. So entstehen Objekte, die zwar viele Assoziationen ermöglichen, sich aber einer eindeutigen Erkennbarkeit – und damit endgültiger Zuordnung – verweigern.

Vita

Keren Shalev

1982, Israel

Korsörer str. 17, 10437 Berlin

+491577-0279959

kshalevify@gmail.com

www.shalevkeren.com

 

Ausbildung

2014 – 2015    B.A. Museumskunde, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland

                          Praktikum in Nordenhake Galerie, Berlin Praktikum in Circle 1 Galerie, Berlin

2009 – 2010    Lehrdiplom der Künste, Kibbutzim College of Education, Tel Aviv, Israel

2004 – 2009    B. A. Fine Arts, Universität Haifa, Israel

2003 – 2004    Kurse in Bildhauerei, Hagalil Hamaʼaravi College, Akko, Israel

1997 – 2000    Gan-Nahum-Gymnasium, Abschluss mit Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife und der

                          Technologischen Hochschulreife in plastischer Kunst, Rischon LeZion, Israel

 

Einzelausstellungen

2021    nothingness one piece ̇ two elements, Alte Feuerwache Loschwitz, Dresden ̇

2019    Silence & Structure, Tête, Berlin

             Self Reflection on Homeostasis, 48 Stunden Neukölln, Berliner Berg Brewery, Berlin

             Ausstellung mit Jungekunstberlin, Bristol Hotel, Berlin

2018    Hiding in foreign shadows, under buildings and in between, unperceived existence-Shush gallery

2017    Boat Wreck, Helmut, Leipzig 2016 Constructions, 48 Stunden Neukölln, Gordon, Berlin

2015    Consolidated-Scattered, Plateau gallery, Berlin 2012 Dark Chamber, Fuc Bar, Berlin

2011    Artist Wall, Rishon Lezion municipality, Israel

 

Zwei Personen Ausstellungen

2022    mit Anna Myga Kasten, Galerie Drei, Dresden

2018    Bilinguale Lautskulptur – Performance mit Mirjam Dorsch, Verlorene Zeit, Berlin

2017    Gentle Destructions, exhibition with Zorka Wollny, Flugwerk, Berlin

2016    Ein Ort des Jetzt, Installation mit Stephan Sitaras, Ruberoid Festival, Acud macht neu, Berlin

2014    Running man – Performance mit Udi Berner, ́Reconstructing Realityʼ- T Berlin, Berlin

             Running man – Performance mit Udi Berner, Hachalalit gallery, Tel Aviv

2013    Peaceful burning – Performance mit Udi Berner, Greenhouse, Berlin

             Peaceful burning – Performance mit Udi Berner, Kunst im Haus- Die Teatrale, Berlin

 

Gruppenausstellungen

2020    mit EDGE Neuroscience-Art, Online, Artsteps

2019    Broken spaces, Tapir gallery, Berlin

             Konkret, Alte Feuerwache Loschwitz, Dresden

             Enclaves, Monopol, Berlin

             ZUKUNFTSVISIONEN 2019, Görltz

             Kunstsalon, Berlin

2018    Das Kapital collection, SchauFenster Gallery, Berlin

             The Abstract View, Junge Kunst Berlin, Stiftung Starke, Berlin

             Berlin Inc., Artspring, Hugo Mayer Studio, Berlin

             SCHAUfenster à la Art, Kunstpreis des Landkreises Alzey-Worms, Wörrstadt

2017    Fremde Werte, Galerie Drei, Dresden

             Kostbarkeiten, Rathaus Marzahn, Berlin

             Capriccio, Haus am Kleistpark, Berlin

             Kunstgäste #6, Kulturbunker, Köln

             Performing Arts Festival Berlin, K77, Berlin

             Souvenir ‒ Ein Stillleben, Art Vending Machine, Jewish Museum Berlin

             KunstBoulevard, Boulevard Berlin, Berlin

2016    XXS Xmas, Blue Berlin art space, Berlin

             Berlin art week exhibition-„50 Contemporary artists“- EAF, Berlin

             Erde, Stahl & Leuchten, Hinterm Spaeti, Berlin

             Heimat – Identifikation im Wandel, Künstlerverein Walkmühle e.V., Wiesbaden

2015    Roundabout- ID Festival, Radialsystem V, Berlin

             Don´t call it a context, Kreuzberg Pavillon, Berlin

2014    Danalogue- Crossing Borders, Infarm, Berlin

2013    Kunst im Haus- Die Theatrale, Berlin Art Shifting Festival, live painting, Santa Monica, Barcelona

2012    KreuzbergKalender, On-line exhibition, Berlin Twin cities, Brasov

2010    It’s Called Culture, Abracsas, Tel Aviv It’s Called Culture, Bass, Jerusalem

2009    Without a name, University of Haifa,

Israel Skulpturen im öffentlichen Raum

2019 -21   Illusionary/ real encounter on the shore, Schlosspark Stammheim Kunst 2019, Köln

                   Schiffswrack, Max Planck Institut für Bildungsforschung, Berlin (permanente Skulptur)

2018-19    Schiffswrack, Schlosspark Stammheim Kunst 2018, Köln

2017-18    Schiffswrack, Schlosspark Stammheim Kunst 2017, Köln

2015-16    Schiffswrack, Radial System V, Berlin

 

Kunst am Bau

2021    Nachhaltige Dynamik, Paavo-Nurmi-Grundschule, Berlin

 

Kuration

2019    Extended Matter, Becher Triennale, Berlin Glas e.V, Berlin

             Enclaves, Monopol, Berlin

CV Keren Shalev als PDF

 

Anna Myga Kasten

geboren am 27.11.1977 in Rahden (Westfalen)

Xantener Str. 16

10707 Berlin

(+49) 176-92341596

anna-myga-kasten.info

 

2000 – 2006     Studium der Freien Kunst an der HBK Braunschweig Schwerpunkt 

                           Bildhauerei und Rauminstallation, unter anderem bei Hartmut Neumann,                                

                           Johannes Brus, Christoph Schlingensief und Raimund Kummer

2007                  Abschluss als Meisterschülerin von Johannes Brus

                           Während des Studiums Förderung durch die Studienstiftung des deutschen Volkes.

2010                  Goldrausch-Künstlerinnen Stipendium Berlin

2014                  KIK – Stipendium, Cuxhaven

2012 – 2016     Bühnenbildassistenz bei Prof. Raimund Bauer, Wilfried Minks u. anderen

2016 – 2018     Co-Produktion mit der Künstlerin Chiharu Shiota an der Oper Kiel.

                           Bühnenbild zum „Ring Teil 3 und 4“ von Richard Wagner  

lebt und arbeitet  als freie Künstlerin und Bühnenbildnerin in Berlin

 

Einzelausstellungen (Auswahl)

2018               Dinge die fliegen wie Schiffe/ Kunstraum Tosterglope

2017               Killing letters (installation+performance) / Prokk UP – art festival, Aarhus

2016               Retrospektive in 3 Stunden / Projektraum 2025, Hamburg

2012               schwimmen-stop-fliegen, Galeria Masterskaya alta lingua,

                        St. Petersburg, Russland 

 

Ausstellungen und Bühnenbildprojekte (Auswahl)

2022               mit Keren Shalev „Offene Ecken“, Galerie drei, Dresden

                        Prototypen-Muster und Visionen, Städtische Galerie, Dresden                                          

2020               Jubiläumsausstellung 25 Jahre Atelierhaus Panzerhalle

                        Kommunale Galerie Berlin-Wilmersdorf           

2020               Filmprojekt in Co-Produktion mit Daniel Janik am Kleist-Forum in Frankfurt/Oder zu Homers „Odysee“                              

2019               Bühnenbild zu „4000 Tage“von Peter Quilter

                        Regie: Boris Aljinovic / Tourneetheater Landgraf

2018               Enzyklopädie des Zarten/ Galerie am Körnerpark, Berlin                                         

2017               surfing the great tsunami /  Ausstellungsreihe mit 3 Ausstellungen: 

                        Hamburg – Aarhus – Holstebro                                                   

2016               scope between furthermost points/ Nachtspeicher 24, Hamburg

2015               this is how we walk/ Kunstquartier Bethanien, Berlin

                        Wir wollen hier raus/ Ausstellung in der ehemaligen JVA Magdeburg

2014               Archaea / Beton Art Space (Artist-Run-Festival), Kopenhagen

                        Hotel Rix, Kunstprojekt 48 Stunden Neukölln, Berlin

2013               Drei Punkte / Vorwerkstift, Hamburg

                        Bühnenbild zu „Vestiges“/ Text und Regie: Rayka Kobiella

                        Secret Theatre, Brooklyn, NY

2012               Wanderausstellung der Clarke-Gallery / Newfoundland-Birmingham-Brooklyn

CV Anna Myga Kasten als PDF


UFER

Christine Ebersbach

Holzschnitt | Malerei

29.01. – 12.03.2022

 

Einladung Rückseite als PDF Einladung Vorderseite als PDF

Laudatio als PDF  Presseartikel als PDF

Information

 

Christine Ebersbach | Oslo | 2021 | FarbholzschnittChristine Ebersbach | Seydisfjordur | 2018 | Acryl auf Leinwand | 120 x 120 cmChristine Ebersbach | Unterwegs | 2016 | Farbholzschnitt | 60 x 80 cmChristine Ebersbach | Marina | 2018 | Farbholzschnitt | 96 x 118 cm  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christine Ebersbach | Ins Blaue | 2020 | Farbholzschnitt | 87 x 117 cmChristine Ebersbach | Himmel im Meer | 2020 | Acryl auf Leinwand | 150 x 180 cmChristine Ebersbach | Ein Inselblick | 2021 | Farbholzschnitt | 32,5 x 25,5 cmChristine Ebersbach im Atelier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Christine Ebersbach vermittelt ihre Erlebniswelt auf eine einfache und eindrückliche Art. Die Bildwelten der Leipziger/Wurzener Künstlerin entführen den Betrachter in ungewöhnliche Landschaften, deren Charakteristik auf typisch nordische Sujet’s schließen läßt. Neben einer Reihe vor Ort entstandener Aquarelle zeigt sie großformatige Acrylbilder und ebenso große Farbholzschnitte. Christine Ebersbach gehört zu den wenigen Künstlern/Künstlerinnen, denen es gelungen ist, sich diese druckgrafische Technik auf eine individuelle und sehr malerische Art und Weise anzueignen. Wir finden in ihren Farbholzschnitten die strenge und doch offene Komposition ihrer Gemälde wieder, aber der Farbauftrag scheint so, als ob sie mit dem Holz male. Sie setzt die Perspektive bewußt und gekonnt als primäres Ausdrucksmittel ein, der Betrachter wird mitunter tief in das Bild hineingezogen, dabei stehen oftmals einer betonten Zentralperspektive parallele Halt-gebende Strukturen entgegen.“

Hanif Lehmann 2022

 

„Früh rückte, entscheidend für den Fortgang des Werkes insgesamt, der Holzschnitt ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. …

Die Konstellation des Ausblicks ist wie verewigt, fast metaphysisch, als ginge es um eben jene Schwebe der Möglichkeiten als Bedingung des Sehens auf der einen und der Bildform auf der anderen Seite. Denn in der Fläche zu arbeiten, heißt für Christine Ebersbach unbedingte Distanz zu illusionistischen oder gestischen Attitüden, zum „Ereignis“ schlechthin. Die Statik des Bildmediums ist auch die der bildnerischen Ordnung, darüber hinaus wird nichts versprochen. Und so ist es mit den Ausblicken ihrer Landschaften: Sie versprechen nichts als die reine Zuständlichkeit dessen, was unmittelbar zu sehen ist, diese wirkt streng hermetisch, statt Versprechen gilt Präsenz. Eine solche Haltung ist weit entfernt von herkömmlicher Naturromantik und –liebhaberei.“

Dr. Katrin Arrieta – Direktorin Kunstmuseum Ahrenshoop

 

Vernissage: Freitag, den 28.01.2022, 19.00 Uhr

Laudatio: Hanif Lehmann

Künstlerinnengespräch: 12.03.2022, 15.00 Uhr

Biografie

Statement

Mich interessiert, dass Natur durch Eingriffe des Menschen zur gestalteten Landschaft wird, wie sich Menschen in der sie umgebenden Natur einrichten, mit welchen großen oder kleinen Eingriffen gebändigt, erschlossen, genutzt wird. Mich interessieren Brücken, Straßen, Zeichen, Gebäude – teils in Gegenden, wo man sie nicht vermuten würde.

Mich interessiert aber auch Natur, die den Eingriffen der Menschen Grenzen setzt.

 

Christine Ebersbach

1954             Geboren in Strelln

1960-1972    Schulbesuch in Halle, Abitur

1973-1978    Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Dietrich Burger und Prof. Rolf Kuhrt

1978-1991    freiberuflich tätig in Leipzig

1991-1995    Arbeit in einer kulturpädagogischen Einrichtung

1993             Umzug nach Wurzen

2007             Unterricht an einer Berufsfachschule in Leipzig

seit 1995    freiberuflich tätig in Wurzen

 

Preise und Stipendien

1992           3. Preis des Kunstvereins Eisenturm, Mainz

1999          Gellertpreis des Landkreises Delitzsch für Bildende Kunst

2004         Preis 100 Sächsische Grafiken,

2014          Karl-Krug- Preis der Grafikbörse Leipzig

2016          Preis 100 Sächsische Grafiken

1990/2002   2-monatiger Arbeitsaufenthalt im Wilke-Atelier des Freundeskreises Paul-Ernst-Wilke, Bremerhaven

2007         Stipendium im Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop, gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern

2008/2012  Arbeitsstipendien im Künstlerhaus  Svolvær/Lofoten, Norwegen, gefördert durch die Aldegrever-Gesellschaft Münster

2015          2-monatiges Stipendium des Vereins artbellwald in Bellwald (Schweiz)

 

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

Museum der bildenden Künste Leipzig

Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Kunstmuseum Ahrenshoop

Deutsche Bundesbank

Lichtwer-Gymnasium Wurzen

Kulturhistorisches Museum Wurzen

Staatliches Museum Schwerin

Neue Sächsische Galerie Chemnitz

Krankenhaus Grimma

Arbeitsamt Oschatz

Verbundnetz Gas AG Leipzig

Sparkasse Leipzig

IKB Deutsche Industriebank AG Leipzig

Kulturstiftung Rügen

GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Kunstsammlung der Sächsischen Landesärztekammer

Kreismuseum Grimma

Kunstmuseum Reutlingen

 

Christine Ebersbach

Färbergasse 20

04808 Wurzen

Tel.: 03425925695

chr.w.ebersbach@gmail.com


 

AUSSTELLUNGEN der Dresdner Sezession 89 e.V.


Wachstum und WandelEinladung Dresdner Sezession 89 e.V.

3. Ausstellung der vierteiligen Jahresreihe NATÜRLICHKEITEN der Dresdner Sezession 89 e.V.

Rita Geißler | Annina Hohmuth | Karin Kopka-Musch  | Thea Richter

Galerie 2. Stock im Neuen Rathaus

01.06. – 27.08.2022

 

Einladung als PDF Laudatio als PDF

www.dresden.de/galerie2stock

Information

Vernissage: Donnerstag, den 02.06.2022, 19.00 Uhr

Begrüssung: Annekathrin Klepsch [Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus]

Laudatio: Susanne Magister [Kunsthistorikerin]

Musik: Steffen Gaitzsch [Geige] | Nicolle Cassel [Gesang] Christian Morgenstern Lieder vertont von Rainer Lischka

Montag – Freitag 9.00 – 18.00 Uhr


Verletzlichkeit und Verantwortung

2. Ausstellung der vierteiligen Jahresreihe NATÜRLICHKEITEN der Dresdner Sezession 89 e.V.

Bärbel Kuntsche | Christiane Latendorf | Gerda Lepke | Gudrun Trendafilov

Galerie 2. Stock im Neuen Rathaus

02.03. – 28.05.2022

 

 

Einladung als PDF Pressemitteilung als PDF

Laudatio als PDF

www.dresden.de/galerie2stock

Information

Midissage am Freitag, den 22.4.2022, 19.00 Uhr

Begrüßung: Eva Jähnigen [Bürgermeisterin für Umwelt und Kommunalwirtschaft]

Musik: Gabriel Jagieniak [Akkordeon | Gesang]

Laudatio: Karin Weber [Kunstwissenschaftlerin]

Bärbel Kuntsche_Auf der Veranda_Ballons über Radebeul_Holzschnitt_2019Christiane Latendorf_Abend in der Stadt_Öl auf Leinwand_2021Gerda Lepke_Kopf seitlich Tusche auf Japanpapier_2016Gudrun Trendafilov_In Gedanken_aus der Serie SchwarzRotGelb_ Mischtechnnik auf Papier_2016

 

 

 

 

 

 

In ihrer vierteiligen Jahresreihe „Natürlichkeiten“ stellen die Dresdner Sezessionistinnen die Mensch-Umwelt-Beziehung ins Zentrum ihrer künstlerischen Auseinandersetzung. Die zweite Ausstellung der Jahresreihe heißt „Verletzlichkeit und Verantwortung“ und zeigt Arbeiten von Bärbel Kuntsche (Jg. 1939), Christiane Latendorf (Jg. 1968), Gerda Lepke (Jg. 1939) und Gudrun Trendafilov (Jg. 1958).

Der Ausstellungstitel umschreibt metaphorisch die Suche nach dem eigenen Selbstverständnis als eine mögliche Art der Emanzipation im Denken auf dem Weg zur Selbsterkenntnis. „…und als ich mich selber trank, war ich zum Schauen erwacht. Da fiel mir Leben zu.“, schrieb Ingeborg Bachmann in ihren Tagebüchern. Die Selbstbilder der vier ausstellenden Künstlerinnen können wie Zustandsbeschreibungen der Seele gelesen werden. Insbesondere der Kopf war innerhalb der Kunstgeschichte immer auch ein Symbol für Intellekt, Seele, Zeitgefühl und Zeitgeist, für Modebewusstsein und Charakter, für Vergegenwärtigung von Heldentum und Herrscherkraft, für Weisheit, Verschlagenheit und Dummheit. Der Kopf ist ein Sinnbild für Verlust und Gewinn, für Versagen und Motivation.

 

Darauf nimmt Bärbel Kuntsche, die seit vielen Jahren jeden Tag mit einem Selbstporträt beginnt, direkt Bezug. Diese Selbstspiegelungen entsprechen sensibel ihrer jeweiligen Stimmung: kritisch oder empfindsam, freudvoll oder traurig und nachdenklich. Sie weiß um die Polarität von Stille. Die Stille in ihren Arbeiten ist auch mit Temperaturen verbunden, von warm bis kalt – wie zwischen dem Schwarz und Weiß ihrer Holzschnitte der gesamte farbige Kosmos verborgen ist. Man spürt die Sehnsucht, auch in den Gärten und Fensterausblicken, die Balance in einer Welt der Ungewissheiten nicht zu verlieren.

 

Christiane Latendorf hat es glücklicherweise nicht verlernt, mit Kinderaugen zu sehen und sich überraschen zu lassen. Alles ist möglich! Eine vitale Freude am Machen und ein damit verbundenes, gesteigertes Lebensgefühl kennzeichnen ihre bildnerische Arbeit.  Ihre Malereien sind skurrile, witzig-ironische, liebenswerte, auch absurde Anmerkungen zur Gegenwart, die voll vom Geheimnis der Tage und der Nächte sind.

Gerda Lepke hat Alltagserfahrungen in eigene Mythologien verwoben, so dass diese als Gleichnis zeitlos Bestand haben und lesbar bleiben. Dazu gehören immer wieder Köpfe in ihrer eigenwilligen pointilistischen Handschrift. Bewegung, Leidenschaft und Schwingung zeichnen ihre Kunst aus. Die Kunst, sich ein Bild zu machen, ist ihr Lebensinhalt in einem niemals endenden Kampf, die Sprachlosigkeit zu überwinden. Sie hat sich nicht verloren in den Turbulenzen der Zeit.

 

Gudrun Trendafilov ist eine Künstlerin figürlich akzentuierter Verinnerlichung. In der Zeichnung ist das Inwendige ablesbar und zeitlos, so dass das allgemeine Unbehagen, das Einsamkeit, Ziellosigkeit und Fremdbestimmung hervorrufen, aufgehoben wird. Alles ist möglich innerhalb der Poesie der Formen, Träume erfüllen sich und der Himmel berührt die Erde.

 

Die Betrachtenden werden herausgefordert, sich interpretierend in die Arbeiten der vier Künstlerinnen zu versenken, sich selbst zu finden und zu positionieren, um letztlich Mensch zu sein und zu bleiben in einer Zeit, die aus den Fugen geraten zu scheint.  

In den darauffolgenden zwei Schauen kreisen die Arbeiten thematisch um Wachstum und Wandel und Ressource und Konsequenz.


Zyklus und AusbruchPlakat

1. Ausstellung der vierteiligen Jahresreihe NATÜRLICHKEITEN der Dresdner Sezession 89 e.V.

Kerstin Franke-Gneuß | Karin Heyne | Gabriele Reinemer | Irene Wieland

Druckgraphik | Fotografie | Relief  | Malerei

Galerie 2. Stock im Neuen Rathaus

02.12.2021 – 25.02.2022

Ausstellungsdokumentation online

Karte als PDF Plakat als PDF Pressemitteilung

Laudatio als PDF

Presseartikel als PDF

www.dresden.de/galerie2stock

Laudatio

Zyklus und Ausbruch 1. Quartalsausstellung der Jahresreihe Natürlichkeiten in der Galerie 2. Stock, Neues Rathaus Dresden vom 2. Dezember 2021 bis zum 25. Februar 2022 Text: Katharina Arlt

Die adjektivische Ableitung des Begriffes NATUR, dasjenige betreffend was natürlich ist, wird im Titel der Jahresreihe zum Subjekt Natürlichkeiten. Der Gebrauch des Plurals begründet sich darin, dass wir in der Sprechweise über Natur zu keiner eindeutigen Definition gelangen, sondern nur Verständigungsformen über sie entwickeln können. Diese wiederum sind kulturell und historisch derartig differenziert und pluralisiert, dass keine Aussicht besteht, durch eine „historische“ Semantik einen einheitlichen, universalen Begriff von Natur zu destillieren. Natur leitet sich von lateinisch „nasci“ ab (gezeugt, geboren) und meint im übertragenen Sinn dasjenige, was entstanden ist und einen Ursprung hat, aus dem es heraus geboren oder entsprungen ist. Doch das Griechische spricht von „physis“, einer Ableitung von „phyein“ (wachsen lassen). Physis bedeutet Wuchs, das aufblühend Manifestwerden, eine Vorstellung, die dem Vegetabilen entnommen ist. Diese beiden inhaltlich differierenden Leitwörter Physis und Natura werden noch durch das in der europäischen Kultur prägende Creatura, dem Subjekt der Schöpfung, bereichert. Der griechische Kosmos wiederum meint die Natur als „geschmückte Ordnung“, also ein „Eingerichtetsein der Welt“ in wohlabgestimmten Verhältnissen, die darum „schön“ sind. Natur im Verständnis der neuzeitlichen Wissenschaft ist als Inbegriff aller Erscheinungen bestimmt, insofern diese unter Gesetzen stehen. Das griechische „to pan“, das All bedeutet, ist ebenfalls ein Ausdruck für Natur, meint aber nicht unser Verständnis von physikalischem Weltraum sondern bezeichnet alles zur Natur Gehörige, wie Tiere, Menschen oder Naturkräfte. Naturwissenschaften haben mit der zuvor skizzierten geistesgeschichtlichen Entwicklung von Natur nichts gemein. Sie legen kaum Rechenschaft darüber ab, wodurch das, was sie im Einzelnen erkennen, sich zu einem System zusammenschließt. Vielmehr haben wir es mit einem kulturellen Nebeneinander verschiedener, auch konkurrierender Naturvorstellungen der Natur-Ästhetik und Natur-Wissenschaft zu tun. Aus dieser Bedeutungsvielfalt unterschiedlichster Verständigungsformen über Natur – extrahieren die Kunstschaffenden der Vereinigung Dresdner Sezession 89 ausgewählte Facetten des Natürlichen, die ihre jeweiligen künstlerischen Standpunkte und ihr gesellschaftliches Engagement inhaltlich prägen. Vierteljährlich präsentieren jeweils vier bis fünf Künstlerinnen der darunter auch ehemalige Mitglieder und Gleichgesinnte, ihre Arbeiten in der Galerie 2. Stock im Neuen Rathaus Dresden.

Seit über 30 Jahren prägt die Künstlervereinigung Dresdner Sezession 89 e.V. das Kunstgeschehen der Landeshauptstadt. In Vernetzung mit der (inter-)nationalen Künstlerszene entwickeln die Künstlerinnen und Kunstwissenschaftlerinnen Ausstellungen und Projekte, die die Öffentlichkeit für gesellschaftspolitische, ökologische und philosophische Inhalte sensibilisieren.

Im März 1990, gründeten 21 Künstlerinnen und zwei Kunstwissenschaftlerinnen die Künstlervereinigung Dresdner Sezession 89 e.V. Obwohl offizielle Gleichberechtigungsbekundungen mehr versprachen, war die Kunstszene in der DDR von Männern dominiert. Die Dresdner Sezessionistinnen nutzten die Zeit des politischen Umbruchs, um Raum für weibliche Wahrnehmungsweisen und das Schaffen von weiblichen Kunstakteuren zu bereiten. Der Name „Sezession“ impliziert eine Loslösung von etablierten Strömungen im Kunstbetrieb und soll an die künstlerischen Sezessionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnern. Obgleich jene Vereinigungen wie etwa die „Dresdner Sezession Gruppe 1919“ um Otto Dix und Conrad Felixmüller Frauen noch nicht einbezogen. Der Zugang zu den meisten deutschen Kunsthochschulen blieb Frauen bis 1919 verwehrt.

Zentraler Ort für die Dresdner Sezessionistinnen ist die gemeinsam betriebene Galerie – ein Ort, um eigene sowie externe Ausstellungen und Projekte im öffentlichen Raum zu präsentieren. Im Juni 1990 findet die Gründungsausstellung der Dresdner Sezession 89 in der Galerie Comenius statt. Später zieht die Sezession in die Galerie Nord um, und seit 1996 ist die dritte Galerie also „galerie drei“ in der Dresdner Neustadt das feste Domizil der Vereinigung.

Den Auftakt der Jahresreihe bilden die vier Künstlerinnen Kerstin Franke-Gneuß, Karin Heyne, Gabriele Reinemer und IreneWieland. Mit Zyklus und Ausbruch, so der Titel der ersten Quartalsausstellung, öffnen sie den Horizont der Jahresausstellung Natürlichkeiten für sozialphilosophische Zusammenhänge. Sechs große, im Hochformat angelegte Radierungen, stehen als pars pro toto für das jüngste druckgrafische Schaffen von Kerstin Franke-Gneuß, einer der Mitbegründerinnen der Dresdner Sezession 89 e.V. Aufgewachsen in Weinböhla und seit 1995 am Dresdner Elbhang im Künstlerhaus ansässig, ist ihr jegliche Verbindung zum unmittelbaren Naturraum wichtiges Moment im Inspirationsprozess der eigenen künstlerischen Arbeit. Während des Studiums an der Dresdner Hochschule für bildende Künste (1978-1984) bei Günter Horlbeck wurde ihre Affinität zur Druckgrafik geweckt, die die Künstlerin nunmehr seit über dreißig Jahren zu dem ihr gemäßesten künstlerischen Mittel erwählt hat. Kerstin Franke-Gneuß zählt deutschlandweit zu den versiertesten druckgrafisch arbeitenden Künstlerinnen. Sie beherrscht alle maßgeblichen Techniken der Radierung, deren traditionelle Verfahren sie auf experimentelle Weise permanent für ihre künstlerischen Vorstellungen erweitert und modifiziert. Ausgangspunkt ihrer Arbeit sind äußerst sensible Naturwahrnehmungen. Diese gewinnt sie nicht allein in der großen erhabenen Landschaft, sondern vielmehr in Detailbeobachtungen subtiler Veränderungen organischer Zusammenhänge. Folglich wird die eigene Leiblichkeit, das eigene Bewusstsein zur Quelle ihrer in ungegenständlicher Formensprache entwickelten grafischen Kompositionen. Die Titel für ihre Arbeiten wählt die Künstlerin nicht allein in Referenz zum eigenen Erlebnis und der Erinnerung, sondern auch in Verbundenheit mit der sie prägenden Musik und Lyrik. Auf diese Weise entstand 2009 die dreiteilige Serie „Mehr Meer“ zur gleichnamigen poetischen Autobiographie der Schweizer Schriftstellerin Ilma Rakusa (*1946). 2021 widmet Franke-Gneuß dem Naturlyriker Wilhelm Lehmann (1882-1968) ein Buch mit Originalgrafik unter dem Titel seines Gedichts „Unberühmter Ort“. Im gleichen Jahr schuf sie eine Serie von zart schwebenden Radierungen, Hommagen an Landschaft und Lichtstimmung Ungarns, für das Buch „Grenzen erfahren. Erkundigungen in Pannonien“ des Autors Mathias Bäumel. Ihre druckgrafischen Blätter, seien sie Teil einer Serie, einer Publikation oder autonome Arbeiten, entstehen in einem komplexen, mehrstufigen Verfahren. Grundlage jedes originalgrafischen Abzuges ist die zuvor bearbeitet Druckplatte. Franke-Gneuß verwendet Zinkplatten, auf die sie nach dem Reinigungsprozess eine Pinselzeichnung aus Zuckerlösung überträgt. Hernach wird die Platte mit Asphaltlack abgedeckt und in einem zweiten Schritt, die darunter liegende Zeichnung im Wasserbad abgesprengt. Der erste Ätzvorgang kann nun beginnen. Das beschriebene Verfahren der Aussprenge wiederholt Kerstin Franke-Gneuß nach der Reinigung der Druckplatte mehrmals, bis sich die, von ihr gewünschte, Komposition in die Zinkplatte und somit dem später gedruckten Abzug eingeschrieben hat. Überdies kombiniert die Künstlerin verschiedene Druckverfahren wie die Aussprengtechnik, die Flächenätzung der Aquatinta oder die linienbasierte, gratige Kaltnadelradierung miteinander. Nahezu alle ihre Arbeiten der Ausstellung „Zyklus und Aufbruch“ sind Kombinationsdruckverfahren aus Aussprenge und Flächenätzung. Der Bildraum wird gegliedert durch einen Nuancenreichtum an Grau, Schwarz und Weißtönen. In jedem Blatt entwickelt sich eine Steigerung der Tonalität von samtigem Schwarz bis hin zu gleißendem Weiß, die jederzeit wandelbar scheint, um Ilma Rakusa zu zitieren, „…bis das Weiß von seinem Weißsein Abschied nimmt.“ Die Grate, hüpfenden Sprengsel und transparenten, mitunter tiefschwarzen kantigen Flächen scheinen zu beben, pulsieren, wie in Franke-Gneuß‘ Arbeit „Auftakt“. Hier entwickelt sich allmählich aus einem Geflecht des weißen unbedruckten Papiergrunds, das wabernde, stark hervordrängende Dunkel und über allem scheint die Reservage, ein Netz aus perlenden Strukturen, zu schweben. Die anfänglich erwähnte Auseinandersetzung der Künstlerin mit Natur gewinnt hier die Freiheit eines Bildraums, der zugleich ein Denkraum ist. Natur, gedacht als Konzept der Wahrscheinlichkeit, gekennzeichnet durch Zufälle, Kontingenz und Transitorik wird für Kerstin Franke-Gneuß auch zur vermittelnden Instanz, um subjektive zwischenmenschliche Interaktion und gesellschaftliche Zusammenhänge auf abstrakter Ebene durchdringen zu können.

Seit ihrem Studium der Malerei von 1970 bis 1975 bei Jutta Damme an der Hochschule für Bildenden Künste in Dresden fotografiert, die aus Leipzig stammende Künstlerin Karin Heyne. Gewissermaßen den Alltag dokumentierend, entstehen analoge Schwarzweißfotografien parallel zu ihrem malerischen, skulpturalen und grafischen Werk. Zehn Jahre lang bis zum Beginn der Jahrtausendwende hält sie regelmäßig ihren Abwasch im Spülbecken der heimischen Küche, den gedeckten Teetisch oder eine angefangene Mahlzeit auf dem Teller des Essers als fotografische Stillleben fest. Nahezu den gesamten Blattfond füllend, leuchten kaleidoskopartig gespiegelte, makroskopische Formen in unterschiedlichen Nuancen aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarzweißtönen. Doch was bei größerer Entfernung wie eine menschliche Silhouette im Schatten zweier diagonal gekreuzter Strukturen hervorschimmert, (Serigrafie „Universum“, 2000) oder als symmetrisch gespiegeltem Rapport aus Ellipsen und Kreisen aufscheint (Serigrafie „Lunapark“, 2001), entpuppt sich bei eingehender Betrachtung als Vergrößerung fotografischer Details, die einen gedeckten Tisch mit Mahlzeit oder ungewaschenes Geschirr aus der Aufsichtsperspektive zeigen. Konzentrierte sich die Künstlerin bis 1989 auf Bewegung und Portrait des Menschen im Medium des Linolschnittes, entdeckt sie seit dem Strukturbruch 1989 das Verfahren der Serigrafie für ihr künstlerisches Schaffen. Hierbei dienen ihr die eigenen Fotografien als Sujet und Basis für das druckgrafische Medium. Heyne arbeitet mit Spiegelungen ihrer fotografischen Motive, Perspektivwechsel von Horizontale zu Vertikale und vice versa. Ein Motiv im Querformat wird im Siebdruck zum Hochformat und häufig dem rechteckigen Blattfond folgend, vierfach im Rapport wiederholt und gespiegelt. Die Übertragung des fotografischen Motivs in den mehrfarbigen Siebdruck ist ein komplexes Verfahren, dessen Grenzen Karin Heyne vielfach in experimenteller Weise auslotet. Das ursprüngliche Kleinbildnegativ wird zunächst auf eine Glasplatte als vergrößertes, gerastertes Halbtonnegativ ausbelichtet. Die Druckform, ein gerahmtes, straff gespanntes feinmaschiges Sieb aus Kunststoff, muss in der Dunkelkammer mit lichtempfindlicher Emulsion vollständig bestrichen werden. Nachdem das Sieb getrocknet ist, legt die Künstlerin ihr zuvor auf eine Glasplatte ausbelichtetes gerastertes Halbtonnegativ auf die Druckform und belichtet sie wie ein gewöhnliches Negativ. Dort wo die empfindliche Schicht Licht trifft, wird die Emulsion erhärtet und somit durch Wasser fixierbar; an den Stellen wo das Licht jedoch durch die Zeichnung des Negativs abgehalten wird, bleiben die Partien auf dem Sieb unbelichtet, dadurch quellfähig und wasserlöslich. Sie werden folglich ausgewaschen und die entsprechenden Motivbereiche sind für den Farbdurchtritt geöffnet. Für den Druckvorgang wird der Druckträger, das Papier auf dem Drucktisch, unverrückbar justiert und das vorbereitete Sieb entsprechend aufgesetzt. Nachdem die pastose Farbe auf das Sieb aufgetragen wurde, kann sie nun mit der Rakel, vom oberen Rand bis nach unten über das Sieb geschoben werden und wird so durch die engen Maschen gepresst. Da Karin Heyne häufig mindestens drei unterschiedliche Farbtöne übereinander druckt, ist für jeden Farbdurchgang jeweils ein Sieb erforderlich. Damit das Motiv in jedem der Farbdurchdruckvorgänge deckungsgleich bleibt, achtet die Künstlerin auf eine genaue Justierung des Druckträgers mittels Passmarken. Heyne arbeitet mit selbst abgemischten Farben, variiert die Grundtöne und erzeugt transluzente übereinander lagernde Farbebenen, die sich dem Prinzip der additiven Farbmischung bis hin zu dunklen, fast blauschwarzen Nuancen steigern können. Die inszenierte Wiederholung eines gespiegelten Motivs in vier gleichen Quadraten des Blattformats erzeugt einen seriellen Eindruck und erhöht zugleich den Abstraktionsgrad des konkreten Sujets. Karin Heyne, Mitbegründerin und einstiges Mitglied der Dresdner Sezession 89, scheut nicht die Auseinandersetzung mit dem, im Diskurs über weibliche Kunst geringgeschätzten, Gegenstandsbereich der „Küchenarbeit“. Im Gegenteil, die einstige Initiatorin, Leiterin und Kuratorin des Kreativen Werkstatt Dresden e.V. setzt sich fortwährend in Kursprogrammen und Workshops für die Vermittlung weiblicher schöpferisch-produktiver Sichtweisen ein. Mit Titeln wie „Universum“, „Lunapark“ oder „Nymphenbad“ konterkariert und ironisiert Heyne zugleich die befangene oder vorbelastete Perspektive auf das Sujet der „Abwaschstillleben“. Aus dem Zustand eingefrorener Momentaufnahmen einer angebrochenen Mahlzeit, dem alltäglichen Chaos sich türmenden, ungespülten Geschirrs kreiert die Künstlerin die Illusion eines von Symmetrie und Primärfarbigkeit dominierten Kosmos.

Auch Gabriele Reinemer verfolgt in ihren analogen Kleinbildfotografien einen dokumentarischen Ansatz.

Wir schauen in den Schlund eines Schweins oder vielmehr in das, was noch von ihm übrigblieb. Der Unterkiefer mit dem nicht mehr ganz vollständigen Gebiss, ragt aus einer hellbraunen, dickflüssigen Masse. Man möchte meinen es handle sich um Erbrochenes. Im Blitzlicht starren fahle, graurosafarbene Fleischfetzen aus dem breiigen Gemenge. Ein weiterer Schweinekiefer und einzelne Gebissfragmente ragen aus dem Gemetzel bleicher Haut und gelbbrauner Lauge. Was hier an längst verblichene Überreste einer tödlichen Keilerei unter Tieren oder wohl wahrscheinlicher an Abfälle einer Schlachtung gemahnen mag, sind Farbfotografien eines abendlichen Büffets. Serviert wurden, wie wir in der nächsten Aufnahme sehen, vollständige Köpfe gegrillter Hausschweine. Jeweils zwei gebräunte Schweineköpfe lagern auf weicher zähflüssiger Sauce in einer Schale, ihre leeren Augenhöhlen sind mit angeschnittenen Radieschen gespickt. Mehrere Kasserollen dieses Inhalts wurden symmetrisch aneinandergereiht und weisen unterschiedliche Stadien der Bedienung durch die Gäste auf. Unter Verzicht auf jegliche Art der Inszenierung wurde die Szenerie von der Dresdner Künstlerin Gabriele Reinemer dokumentiert. Die einstige Mitbegründerin der Dresdner Sezession 89 setzt sich seit ihrem Studium der Plastik an der Kunsthochschule Berlin Weißensee (1977-1982) mit Themen der Verletzlichkeit von Menschen und Natur auseinander. Jede ihrer inhaltlich diversen Kleinserien in Collageformat zeigt 4 bis 16 übergangslos aneinander montierte, analoge Farbabzüge im Format 10 x 15 oder 13 x 18 cm. Die soeben beschriebene Collage der Büffetsituation ist in Korrespondenz zu Reinemers Zyklus „Schlachthofimpressionen“ entstanden. In den Jahren 2019 bis 2021 fotografiert die Künstlerin auf dem Gelände des Ostrageheges in Dresden. Hier befand sich der von Stadtbaurat Hans Erlwein 1906 -1910 errichtete Vieh- und Schlachthof, der bis 1995 in Verwendung blieb. Seither wurden viele Bauten saniert und neuen Nutzungen zugeführt. Reinemer fotografiert im Innern der unsanierten ehemaligen „Schweinehalle“ des Geländes. Durch die Oberlichter des Gebäudes wird der leere graue Raum mit seinen weißen Pfeilern in kaltes Licht getaucht. Nichts deutet auf seine einstige Nutzung hin. Die Architektur der Entstehungszeit war bereits darauf bedacht lichte, hohe Räume zu schaffen, die auch ihre Funktion nach außen hin verschleiern sollten. Die Collage aus neun identischen Aufnahmen der einstigen „Schweinehalle“ strömt stummes Unbehagen aus, das mit dem Titel „Warteraum in den Tod“ seine Bestätigung erfährt. Die Zeit der unbewussten, unbedachten Nahrungsaufnahme ist vorbei, soviel ist sicher. Gabriele Reinemer hinterfragt dahingehend unser traditionelles Humanismusmodell und dessen Verständnis des unbedingten Vorrangs menschlicher Interessen, einschließlich der Nutzung und Vernutzung von Tieren. Wenn wir es nicht als moralische Pflicht verstehen, die Tiere aus aller Nutzung durch die Menschen zu entlassen, so bedarf es gemäß der Künstlerin einer Konsumentenethik innerhalb der Gesellschaft der Satten. Für Gabriele Reinemer hat das Medium der Fotografie den Wert einer dokumentarischen und begleitenden Ausdrucksform, auf die sie parallel zu ihrem skulpturalen und plastischen Hauptwerk regelmäßig zurückgreift. Mit Beginn der 1980er Jahre entstehen ihre organischen, zunehmend abstrakter werdenden, typisierten Kleinplastiken aus Terrakotta und Bronze. Auch sie folgen dem Sujet humaner Diskontinuität und Verletzlichkeit. Seit 2010 arbeitet die Künstlerin an reduzierten, wehrhaften, architektonisch anmutenden Skulpturen in Kaschée-Technik. Zugleich entstehen grazile, turmgleiche, hölzerne Objekte, die eurozentrische Diskurse und Kolonialisierung in Afrika thematisieren. Als Mitbegründerin des Kulturvereins Radebeul und Kuratorin von Ausstellungsprojekten ist es Gabriele Reinemer ein Anliegen, den Alltagsblick für Missachtung historischer Bausubstanz zu schärfen. Sie möchte ästhetische Sensibilisierung schaffen, wo ein Bewusstsein für denkmalschützenswertes, architektonisches Erbe in ihrem Wohn- und Arbeitsort Radebeul offenbar abhandengekommen ist. In den Fotocollagen der Künstlerin mit den Titeln „Denkmalfassadensünde“ oder „Bahnhofskultur“, ebenfalls angelegt als mosaikgleiche Bildteppiche identischer Fotografien eines Motivs, wird ihr Einspruch gegenüber ignoranter, unsachgemäßer Umnutzung historischer Bausubstanz deutlich.

Laudatio Teil 2

Seit Mitte der 1990er hat die Künstlerin Irene Wieland ihren Wohn und Arbeitsmittelpunkt in Radebeul. Zentrales Sujet ihres künstlerischen Schaffens bilden biomorph-anthropomorphe Figurationen aus Vogel, Insekt und Menschengestalt. Ausgehend von der bildnerischen Technik der Zeichnung entwickelt sie stets unter gegenständlicher Referenz, eine markant stilisierende Bildsprache, die auch in den von ihr bearbeiteten Medien der Großskulptur aus Stahl, Aluminium und Plexiglas Umsetzung findet. Für die Ausstellung Zyklus und Ausbruch wählt die Künstlerin, eine Reihe von Rohrfederzeichnungen in schwarzer Tusche und farbigen Gouachen auf Papier, die von 2020 bis 2021 entstanden sind. Mit Beginn der Pandemie leiden viele Menschen nicht allein an den Folgen des Virus sondern auch an den Maßnahmen der Eindämmung desselben. Die verordnete soziale Distanz und Einsamkeit können Angst und Ungewissheit schüren. Irene Wieland bat in genanntem Zeitraum Freunde und Bekannte Fotografien von ihren jeweiligen Fensterausblicken anzufertigen und ihr diese zur Verfügung zu stellen. Denn letztlich bleibt in einer Situation der Quarantäne oder des Lockdowns in den eigenen vier Wänden, der Ausblick vom Innern nach Außen, und sei er noch so unbedeutend, als eine konstante Verbindung mit dem Alltagsgeschehen bestehen. Jener Blick ist es auch, der Hoffnung und Sehnsucht für die Erkrankten schüren mag, wieder Teil des „normalen“ Getriebes sein zu können. Wieland transformiert, die ihr übermittelten „Ausblicke“ in eigene, behutsam abstrahierte Sichtweisen. Indirekt rekurriert sie auf die von Leon Battista Alberti (1404-1472) geprägte Metapher des Bildes als geöffnetes Fenster, durch das wir hinausblicken in einen Ausschnitt der sichtbaren Welt. Die universelle Fenstermetapher, wird in Wielands Arbeiten zur konkreten Bildrealität. Das geschlossene Fenster, der Fensterrahmen oder geöffnete Fensterflügel erscheinen als schwarze Konturierung eines Ausblickes. Mitunter kann diese Bildgrenze entfallen und wir schauen direkt in eine ländliche Idylle von Feldern, sanften Hügelketten und vereinzelten Baumgruppen oder blicken in eine Kleinstadtszenerie. Das Fenster oder Fensterkreuz kennzeichnet zum einen die Grenze zwischen Innen und Außen, zwischen der Intimität eines bewohnten Raums und der offenen Weite einer Landschaft, zwischen Diesseitigem und Jenseitigem. Es markiert die Grenze zwischen dem Gehäuse des Individuellen und Privaten und dem Offenen der Natur wie dem Öffentlichen des gesellschaftlichen Lebens. Der Blick aus dem Fenster, wie ihn die Künstlerin vermittelt, gibt immer auch Teile des Innenlebens der Person preis, die ihn so oder anders erlebt hat: eine Fensterbank, gigantische Topfpflanzen, ja mitunter eine Rückenfigur, die uns in die Landschaft hineinführen oder diese ein wenig verstellen. Die Architektur des Fensters wird von Irene Wieland in breiten vehementen Federstrichen als Umrahmung des Ausblickes angelegt. Sie stabilisiert, regelt und gliedert die optische Erscheinungswelt des Bildes und verbindet diese zugleich mit der des Betrachters. Wieland garantiert damit eine bestimmte Raumordnung und Kontinuität, die sich als Gewissheit für den Absender des Ausblickes manifestiert haben wird und nun auch auf den Rezipienten ihrer malerischen Ausführung überträgt. Hell strahlende Farben der Gouache, mitunter konturiert vom matt glänzenden Schwarz der Tusche, lassen subtil einzelne Elemente der charakteristischen Bildwelten Wielands aufscheinen. Das mögen menschliche Gesichter in einer urbanen Stadtlandschaft sein, stilisierte Profile zweier Menschen im Oberlicht eines Fensters oder Felder aus denen Augenpaare hervorlugen.

Kontur und Fläche sind Wielands wesentliche bildgebende Komponenten. Während ihres Studiums der visuellen Kommunikation von 1987 bis 1994 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main entwickelt sie, angeregt durch Professoren wie Dieter Lincke, ihre grafische Methode des Zeichnens mit Rohrfeder und den Cutterschnitt. Meist in schwarzen Tuschen entstehen in breiter Konturierung angelegte Zeichnungen. Mit der Materialwahl der Schilfrohrfeder, die sie übrigens selbst herstellt, ist Wielands Zeichenduktus wesentlich beeinflusst vom Strichcharakter der Rohrfeder. Dieser wird von der Schräge des Schnittes bestimmt, speichert doch die eingeschnittene Spitze der Feder jeden Tuschtropfen und gibt ihn in regelmäßiger Menge, je nach Druckintensität auf die Zeichenfläche ab, das Nachrinnen der Tusche ist somit regulierbar und ergibt jenen charakteristischen Rohrfederstrich, der als besonders kraftvoll, eckig, ja fast grob zu bezeichnen ist. Die Zeichnung dient ihr zugleich als vorbereitendes Medium für ihre pigmentierten Laserschnittobjekte aus Stahl. Irene Wieland arbeitet seit Anfang der 2000er Jahre mit diesem Material. Der Entwurfsprozess für ihre Skulpturen beginnt mit Tuschzeichnungen auf Karton. Konturen, charakteristische Gliederungen und Kolorit werden auf diese Weise angelegt, hernach schneidet sie mit dem Cuttermesser Aussparungen und Binnenformen aus dem Karton heraus. Ein erstes Modell der Skulptur in handlichen Größenverhältnissen entsteht. Im Folgenden wird der Entwurf mit Hilfe eines softwaregestützten Designprozesses in den gewünschten Maßstab kalibriert, die Skulpturen sind häufig bis zu zwei Meter hoch und können weit größere Dimensionen erreichen. Die Umsetzung des Entwurfs in eine Skulptur entsprechenden Maßstabs aus pigmentiertem Stahl erfolgt dann in einem Großbetrieb über Laserschnitt-Technologie.

Zwei der auf diese Weise entstandenen Skulpturen sind Teil der Ausstellung Zyklus und Ausbruch. Zunächst meint man weiblichen Gesichtern mit halblangem Haar en face entgegen zu sehen. Doch bei genauerer Inaugenscheinnahme entdecken wir ein weiteres, im Profil gehaltenes, Gesicht inmitten des frontal blickenden Antlitzes. Konturierung und Aussparung der Fläche als bildgebende Prinzipien der Künstlerin lassen Vexierbilder wie dieses entstehen.

Hinter den hier vorgestellten vier verschiedenen künstlerischen Positionen, ihren jeweils eigenen Bild- und Formensprachen steht der einende Anspruch, auch als Mitglieder der Künstlervereinigung Dresdner Sezession 89 e.V., mit gesellschaftspolitischen und sozialphilosophischen Standpunkten Einfluss zu nehmen auf eine Öffentlichkeit, die sich in einer Krisensituation neu formieren und gestalten muss.

Zyklus und Ausbruch 1. Quartalsausstellung der Jahresreihe Natürlichkeiten in der Galerie 2. Stock, Neues Rathaus Dresden vom 2. Dezember 2021 bis zum 25. Februar 2022 Text: Katharina Arlt



 
BETEILIGUNGEN


8. Künstlermesse Dresden

Christiane Latendorf | Gabriele Reinemer | Annerose Schulze | Irene Wieland

11. – 13.03.2022

Deutsches Hygienemuseum Dresden

Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Stand 13

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Information

Vor genau zwei Jahren und damit gerade noch vor Pandemiebeginn fand die letzte KÜNSTLERMESSE DRESDEN statt, deren 8. Auflage im März nun wieder im Deutschen Hygiene-Museum (DHM) zu sehen ist.

Etwas luftiger gestaltet und auf deutlich mehr Fläche stellen vom 11. bis zum 13.3.2022 rund 100 Künstler:innen, Galerien von Produzent:innen, Kunstvereine und Offspaces (mit einem nachgewiesenen Dresden-Bezug) an knapp 80 Messeständen aus. Neben der eigentlichen KÜNSTLERMESSE zeigt der Künstlerbund an den drei Messe-Tagen eine eigens kuratierte Sonderausstellung, die sich dem Thema der aktuellen Ausstellungsthema des DHM „Künstliche Intelligenz“ widmet. Darüber hinaus präsentiert das Internationale Filmfest Dresden mit „Künstlich“ ein Kurzfilmprogramm und die Dresdner Buchkinder animieren samstags und sonntags die kleineren Gäste zum Mitmachen. Ein Highlight der diesjährigen KÜNSTLERMESSE ist die Filmpräsentation „Uncanny Valley“ des Projekts „Rimini Protokoll“, an die sich eine Diskussion mit dem Stefan Kaegi anschließt.

Gäste aus Dresdens französischer Partnerstadt Straßburg, aus dem südkoreanischen Daejeon sowie Studierende der Hochschulklasse von Prof. Christian Sery runden das vielgestaltige Programm mit neuesten Arbeiten ab.

Schirmherrin der KÜNSTLERMESSE ist Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch.

Pandemiebedingt werden Eintrittskarten für ein bestimmtes Zeitfenster vergeben.

Für den Zutritt und den Besuch gelten die aktuellen Hygiene-Regelungen des DHM